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Mehrsprachige Repertoires als Bildungsziel

Lüdi, Georges. (2011) Mehrsprachige Repertoires als Bildungsziel. In: Innovative Entwicklungen beim Lehren und Lernen von Fremdsprachen : Festschrift für Inez De Florio-Hansen. Tübingen, pp. 161-186.

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Official URL: http://edoc.unibas.ch/dok/A6001835

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Abstract

Einer meiner Aufsätze aus dem Jahre 1984 trug den Titel „L'acquisition d'une langue seconde par des migrants: naissance d'un bilinguisme“. Den Hintergrund bildeten veränderte Vorstellungen von Zweisprachigkeit: nicht mehr der mythische, "perfekte" Bilingualismus aus den Handbüchern (z. B. Bloomfield 1933: 56: „native-like control of two or more languages“), sondern eine in der Wirklichkeit - namentlich auch für Migrantinnen und Migranten - erreichbare, funktionale Zweisprachigkeit. Danach ist zweisprachig, wer sich im Alltag regelmäßig zweier Sprachvarietäten bedient und auch von der einen in die andere wechseln kann, wenn dies die Umstände erforderlich machen, aber unabhängig von der Symmetrie der Sprachkompetenz, von den Erwerbsmodalitäten und von der Distanz zwischen den beteiligten Sprachen (siehe schon Lüdi & Py 1984). Ein Sizilianer, der neben seinem Herkunftsdialekt auch genügend Züritütsch gelernt hat, um sich im Alltag damit verständigen zu können, ist danach ebenso „zweisprachig“ wie eine Dolmetscherin bei der EU, welche ihre frühkindliche englisch-französische Zweisprachigkeit systematisch ausgebaut hat. 25 Jahre später würde ich den Titel in doppelter Hinsicht anders formulieren. Zum einen sehe ich heute die Zweisprachigkeit als Grenzfall von Mehrsprachigkeit an, gleichsam als erste Etappe auf dem Wege zu einem mehrsprachigen Repertoire, d.h. zum Normalfall einer erwachsenen kommunikativen Kompetenz (und Einsprachigkeit demgegenüber als eine Art Behinderung); zum andern würde ich nicht nur im Fall des mehr oder weniger ungesteuerten Erwerbs der Aufnahmesprache in der Migrationssituation, sondern auch im gesteuerten Fremdsprachenunterricht von einer „emergenten“ Mehrsprachigkeit sprechen. Der Titel müsste demnach heute lauten: „Der Erwerb von Zweit-, Dritt- usw. und Fremdsprachen als Komponenten des Konstruktionsprozesses mehrsprachiger Repertoires[GL1] “. Dabei geht es zum ersten um eine Theorie der mehrsprachigen Kompetenz, zum zweiten aber auch um eine (schul-) politische Diskussion darüber, welches denn der gewünschte „Output“ unserer Bildungssysteme sein soll. Dies ist denn auch das Thema des vorliegenden Aufsatzes zu Ehren unserer Kollegin Inez De Florio-Hansen, deren Werdegang in den letzten Jahrzehnten recht parallel zum meinigen verlief. Dabei wird es um folgende Fragen gehen: Weshalb sind mehrsprachige Repertoires ein anzustrebendes Ziel für die Bildungssysteme? Was sind mehrsprachige Repertoires? Wie und zu welchem Zweck werden sie von den Betroffenen eingesetzt? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Bildungssysteme? [GL1]Ist kein Zitat!
Faculties and Departments:04 Faculty of Humanities and Social Sciences > Departement Sprach- und Literaturwissenschaften > Ehemalige Einheiten Sprach- und Literaturwissenschaften > Französische Linguistik (Lüdi)
UniBasel Contributors:Lüdi, Georges
Item Type:Book Section
Book Section Subtype:Further Contribution in a Book
Publisher:Narr
Note:Publication type according to Uni Basel Research Database: Book item
Last Modified:25 Oct 2013 08:33
Deposited On:25 Oct 2013 08:33

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