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Kein gemeinsamer Name mehr? Auswirkungen des Schweizer Namensrechts auf die Namenswahl heute heiratender Paare

Weibel, Fleur. (2018) Kein gemeinsamer Name mehr? Auswirkungen des Schweizer Namensrechts auf die Namenswahl heute heiratender Paare. FamPra.ch, 19 (04). pp. 959-978.

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Abstract

Am 1. Januar 2013 trat in der Schweiz die lange geforderte Revision des Namensrechts in Kraft, die die Gleichstellung der Geschlechter in der Namenswahl gewährleisten soll. Das neue Prinzip der Unveränderbarkeit des Namens von Braut und Bräutigam tritt in Art. 160 Abs. 1 ZGB an die Stelle der Tradition des männlichen Familiennamens. Zugleich ermöglicht Art. 160 Abs. 2 ZGB den heiratenden Paaren, einen der beiden Ledignamen als gemeinsamen Familiennamen zu wählen. Der zuvor mögliche amtliche Doppelname hingegen wurde im Interesse einer einfachen und klaren Regelung aufgehoben. Wie nun die Statistiken zur Namenswahl zeigen, orientieren sich weiterhin 70 Prozent der Ehepaare an der Tradition des gemeinsamen Familiennamens, wofür in 96 Prozent der Fälle die Frau ihren Namen aufgibt. Wie diese medial viel diskutierte Kontinuität des männlichen Familiennamens zu erklären ist, wird in dem mikrosoziologischen Beitrag anhand qualitativer Interviews rekonstruiert. Wie die Darstellungen der befragten Männer und Frauen, die zwischen 2013 und 2017 geheiratet haben, zeigen, wünschen sich die meisten Paare - keineswegs nur die traditionsverbundenen, die der Gesetzgeber im Blick hat - einen gemeinsamen Namen für sich und ihre Familie. An dieser Bedürfnislage zielt das neue Namensrecht vorbei, weil es nur die Symbolisierung einer gleichberechtigten Individualität durch das Behalten beider Namen ermöglicht. Demgegenüber verlangt ein Zusammengehörigkeit symbolisierender Name weiterhin eine einseitige Entscheidung und in dieser setzt sich fast immer der Name des Mannes durch, weil eine Umkehr der Tradition vielen «komisch» erscheint. Gerade durch den Verzicht auf die Regelung von gemeinsamen Doppelnamen wirkt sich das neue Schweizer Namensrecht hinderlich auf die Gleichstellung der Geschlechter in der Namenswahl aus und bedürfte einer weiteren Anpassung.
Faculties and Departments:04 Faculty of Humanities and Social Sciences
04 Faculty of Humanities and Social Sciences > Departement Gesellschaftswissenschaften > Fachbereich Gender Studies > Geschlechterforschung (Maihofer)
UniBasel Contributors:Weibel, Fleur
Item Type:Article
Article Subtype:Research Article
Publisher:Stämpfli Verlag
ISSN:1424-1811
Note:Publication type according to Uni Basel Research Database: Journal article
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Last Modified:15 Nov 2018 14:51
Deposited On:15 Nov 2018 14:51

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