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Tote in der Stadt - Anthropologische Untersuchung von menschlichen Überresten aus dem Siedlungsareal einer römischen Koloniestadt (Augusta Raurica/Schweiz)

Kramis, Simon. Tote in der Stadt - Anthropologische Untersuchung von menschlichen Überresten aus dem Siedlungsareal einer römischen Koloniestadt (Augusta Raurica/Schweiz). 2017, Doctoral Thesis, University of Basel, Faculty of Science.

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Official URL: http://edoc.unibas.ch/diss/DissB_12485

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Abstract

Aus dem Siedlungsareal von Augusta Raurica, einer römischen Koloniestadt am Südufer des
Rheins einige Kilometer östlich von Basel, stammt menschliches Knochenmaterial aus einer
Vielzahl von Befundkontexten. Skelette, aber auch isolierte Skelettelemente fanden sich in
Schächten und Brunnen, ferner auch in Befunden wie Gräben oder Planieschichten.
Die anthropologische Untersuchung ergab, dass es sich bei den Toten vorwiegend um Feten und
Neugeborene sowie um erwachsene Männer gehandelt hat. Die Überreste stammen von mehr als
vierzig Feten und Neugeborenen sowie mindestens 80 Erwachsenen. Während bei den
Neugeborenen vorwiegend von natürlichen Todesursachen auszugehen war, wurden an einigen
Erwachsenen Spuren verheilter und perimortaler Gewalteinwirkung festgestellt. Frühere
Untersuchungen, welche von einem exzessiven Ausmass gewalttätiger Auseinandersetzungen
ausgingen, wurden anhand rasterelektronenmikroskopischer Begutachtung der Spuren allerdings
relativiert. Taphonomische Untersuchungen suggerierten, dass die Leichname zeitnah nach dem
Tod vergraben oder versenkt wurden. Dies stand im Widerspruch zu einigen offenbar
liegengelassenen Leichnamen in der Oberstadt. Nach Ausweis der Skelettteilspektren wurde
lediglich ein geringer Teil des Knochenmaterials von anderen Ursprungsorten verschleppt. Eine
Selektion nach bestimmten Skelettelementen, etwa im Rahmen der Eisenzeit analoger,
mehrstufiger Bestattungsrituale, konnte nicht festgestellt werden. Während Neugeborene im
Verlauf der gesamten Nutzungszeit vergraben wurden, gelangten Erwachsene vorwiegend im
späteren 3. Jahrhundert und danach in den Boden des Stadtareals. Neugeborene erhielten in den
meisten Fällen eine Totenfürsorge, während für Erwachsene keine entsprechenden Anzeichen
vorlagen. Hintergrund der Einbringungen dürften daher Totenbrauchtum (bei Neugeborenen),
sowie kriegerische Ereignisse unterschiedlicher Zeitpunkte, Verbrechen, Unfälle sowie Grabraub
nachrömischer Bestattungen dargestellt haben, wobei abschliessende Deutungen für Reste und
Deponierungen Erwachsener erheblichen Einschränkungen unterliegen. Zirkusspiele, Seuchen,
Naturkatastrophen, sowie Todesstrafen konnten mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund der
überwiegend späten Datierung als Ursachen ausgeschlossen werden.
Vergleiche mit anderen Fundstellen zeigten auffallende Übereinstimmungen im
Gesamtbild auf. Ein Grossteil der Befunde mit Erwachsenen stammt aus dem Limesgebiet und
regelmässig aus den jüngsten Schichten nach der Mitte des 3. Jahrhunderts. Neugeborene finden
sich hingegen in fast jedem Siedlungstypus und gelangten während der gesamten Nutzungszeit227
stetig in den Boden. Im Gegensatz zur Totenbehandlung bei Erwachsenen bestand für
Neugeborene ein gewisses Nebeneinander von Siedlung und Gräberfeld, wie zahlreiche Beispiele
äquivalenter Grabkonstruktionen und -ausstattungen zeigen. Erstmals konnte auch nachgewiesen
werden, dass Neugeborene bzw. Säuglinge auf Gräberfeldern im Vergleich zu jenen aus
Siedlungen signifikante, minimal höhere Sterbealter aufweisen. Dieser Befund steht nicht
zwingend in Übereinstimmung zu schriftlichen und epigraphischen Beschreibungen. Gerade weil
in Augusta Raurica osteologische Untersuchungen eine weit zurückreichende Tradition haben
und die Koloniestadt während mehrerer Jahrhunderte bestand, nehmen die taphonomischanthropologischen Ergebnisse für das Verständnis des wenig erforschten Phänomens
menschlicher Überreste in römerzeitlichen Siedlungsarealen eine wichtige Referenzfunktion ein.
Advisors:Schibler, Jörg and Hotz, Gerhard and Schwarz, Peter A.
Faculties and Departments:05 Faculty of Science > Departement Umweltwissenschaften > Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA) > Archäozoologie (Schibler)
UniBasel Contributors:Hotz, Gerhard
Item Type:Thesis
Thesis Subtype:Doctoral Thesis
Thesis no:12485
Thesis status:Complete
Bibsysno:Link to catalogue
Number of Pages:1 Online-Ressource (227 Seiten)
Language:German
Identification Number:
Last Modified:05 Apr 2018 17:36
Deposited On:03 Apr 2018 08:24

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