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Polizeiliches Bedrohungsmanagement bei Stalking

Guldimann, Angela. Polizeiliches Bedrohungsmanagement bei Stalking. 2016, PhD Thesis, University of Basel, Faculty of Psychology.

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Official URL: http://edoc.unibas.ch/diss/DissB_11760

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Abstract

Da die Polizei in Stalkingfällen eine wichtige Anlaufstelle darstellt, wurde in der Arbeit 1 der Wissensstand über Stalking und dysfunktionale Einstellungen bei 517 Schweizer Polizisten untersucht. Im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen stimmten die Schweizer Polizeibeamten in Einstellungen, die Stalkingverhalten minimieren, rechtfertigen und normalisieren, weniger stark zu. Gleichwohl erwies sich besonders die Skala „Dem Opfer die Schuld geben“ als relevanter Prädiktor im Umgang mit Stalkingfällen im polizeilichen Arbeitsalltag. Der Wissensstand hinsichtlich Risikofaktoren für Gewalt beim Stalking erwies sich als ausbaufähig. Als Schlussfolgerung wurde u.a. die Implementierung spezialisierter Bedrohungsmanagement-Fachstellen innerhalb der Polizei angeregt.
In den Arbeiten 2 und 3 wurden zum ersten Mal Warnverhaltensweisen, welche auf ein sich erhöhendes Gewaltrisiko hinweisen könnten konkreter operationalisiert. Stalkingverhalten ist Teil der Warnverhalten. Sollte die Forschung die prädiktive Validität der Warnverhalten untermauern, so könnten diese auch für die Polizei ein praxistaugliches Instrument darstellen. In der Arbeit 4 wurde der Zusammenhang zwischen Belästigungsverhalten gegenüber dem Ex-Partner und sozial-psychologischen Konstrukten untersucht. Besonders der Faktor Commitment (Rusbult, 1980) leistete einen relevanten Beitrag in der Varianzaufklärung betreffend Belästigungsverhalten. Dieses Ergebnis könnte mit der Höhe der geleisteten Investitionen (z.B. Zeit, Kinder) während der Beziehung in Zusammenhang stehen. Je höher die wahrgenommene Investition, desto eher kam es zu Belästigungsverhalten. Dieses Ergebnis könnte auch eine Begründung liefern, warum Stalkingverhalten frühestmöglich unterbrochen werden sollte. Je länger Stalking andauert, desto höher werden die Investitionen auf Seiten des Stalkers wahrgenommen, was es wiederum schwierig gestalten könnte, dass Stalking aufzugeben.
Zum Schluss (Arbeit 5) wurde untersucht, wie häufig Polizeibeamte selbst das Ziel von Stalkern werden. Die Lebenszeitprävalenz lag bei 5.2% (n=28), wobei nur 1% angab, jemals berufsbedingt Opfer von Stalking geworden zu sein. Das Ex-Partnerstalking stellte die grösste Gruppe dar. Polizeibeamte, welche ihr privates und/oder berufliches Umfeld nicht über die Stalking-Viktimisierung orientierten, gaben unter anderem als Begründung Scham darüber an, dass sie trotz ihres Berufs, Opfer von Stalking geworden sind.
Zusammenfassend geht aus dieser Dissertation hervor, dass es sinnvoll erscheint, wenn die Polizeibehörden über adäquates Wissen bezüglich Stalking bzw. spezialisierte Bedrohungsmanagement-Fachstellen verfügen sowie über Instrumente für eine strukturierte Risikoeinschätzung bei Bedrohungslagen. Darüber hinaus sollte eine professionelle Haltung bzw. funktionale Einstellungen in der Fallbearbeitung gegenüber den Opfern bzw. Stalkern gewährleistet sein. Dieser Standard sollte auch innerhalb der Polizeibehörden gelten, damit von Stalking betroffene Polizisten ebenfalls die benötigte Unterstützung von ihrem Arbeitgeber erhalten.
Advisors:Stieglitz, Rolf-Dieter and Habermeyer, Elmar
Faculties and Departments:07 Faculty of Psychology > Departement Psychologie > Abteilung Klinische Psychologie und Psychiatrie > Klinische Psychologie und Psychiatrie (Stieglitz)
Item Type:Thesis
Thesis no:11760
Bibsysno:Link to catalogue
Number of Pages:1 Online-Ressource
Language:English
Identification Number:
Last Modified:27 Sep 2016 14:08
Deposited On:27 Sep 2016 14:07

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